Fritz Haarmann der Schlächter auch Vampir genannt

Friedrich „Fritz“ Heinrich Karl Haarmann (* 25. Oktober 1879 in Hannover; † 15. April 1925 )

war ein Serienmörder, der wegen Mordes an insgesamt 24 Jungen und jungen Männern im Alter von zehn bis 22 Jahren vom Schwurgericht Hannover am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt wurde.

Fritz Haarmann

Er wird auch Der Vampir, Der Schlächter, Der Kannibale und Der Werwolf von Hannover genannt.

Sein Leben:

Fritz Haarmann

Die Vorfahren von Fritz Haarmann stammten aus Apricke. Sein Vater hieß Friedrich Haarmann und soll einen autoritären Erziehungsstil praktiziert haben; die Mutter dagegen soll ihren Sohn verwöhnt haben. Als Kind soll Haarmann von seinem älteren Bruder über längere Zeit sexuell missbraucht worden sein.

Apricke

Nach dem Schulbesuch absolvierte der junge Haarmann eine Schlosserlehre und besuchte von 1895 an eine Unteroffiziersschule des Heeres. Dabei traten bei ihm Halluzinationen auf, die auf einen Sturz oder Sonnenstich schließen ließen.

Unteroffizierschule Marienberg

Als dieselben Symptome nochmals auftraten, beantragte er seine Entlassung. Arbeitslos und ohne Antrieb zur Arbeit in der väterlichen Zigarrenfabrik wurde er von einer Nachbarin verführt und beging an Nachbarskindern sexuellen Missbrauch. Dies führte zu einem Strafverfahren gegen ihn, das eingestellt wurde. Er wurde in eine Heilanstalt im ehemaligen Klosterbezirk Sülte in Hildesheim eingewiesen, wo man ihm unheilbaren Schwachsinn attestierte.

Sülte

Die Unterbringung war für ihn eine traumatische Erfahrung, sodass er mehrfach flüchtete und zeitlebens Angst vor einer erneuten Einweisung hatte. Er setzte sich in die Schweiz ab und kehrte 1899 zurück. Danach ging er erneut keiner Beschäftigung nach. Ein Verlöbnis scheiterte.

ARCHIV – Das vermutliche „Original-Hackebeil“ des Massenmörders Fritz Haarmann aus Hannover wird am 30.5.1997 in einer musealen Polizei-Wachstube in Hameln vor einem Porträtfoto von Haarmann präsentiert. Foto: Holger Hollemann dpa/lni

1900 wurde er zum Militär eingezogen und in Colmar stationiert. Dort erlitt er Ohnmachtsanfälle und kam für vier Monate ins Lazarett, wo bei ihm hebephrene Schizophrenie festgestellt wurde. Haarmann wurde in Rente geschickt. Nach Hannover zurückgekehrt, verklagte er seinen Vater auf Unterhalt; es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen beiden. Der Vater lieh ihm einen Geldbetrag, mit dem Haarmann ein Fischgeschäft eröffnete, das bald bankkrott ging. Ein zweites Verlöbnis ging ebenfalls in die Brüche.

Wohnhaus von Friedrich Haarmann in der Neuen Straße

1905 zog sich Haarmann eine Geschlechtskrankheit zu und unterhielt homosexuelle Kontakte. Diese knüpfte er hauptsächlich am hannoverschen Hauptbahnhof zu jungen Ausreißern und entlaufenen Heimkindern. Während dieser Zeit begann Haarmanns Laufbahn als Kleinkriminelle. Er beging Unterschlagungen, Diebstähle, Einbrüche und Hehlereien, die zu 17 Verurteilungen führten.

Haarmanns Mansardenwohnung in der Roten Reihe (Dezember 1924)

Gleichzeitig war er als Polizeispitzel tätig. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er im Gefängnis. Haarmann lebte zuletzt in einem Dachzimmer in der Straße Rote Reihe 2 im heutigen Stadtteil Calenberger Neustadt. Das damals eng bebaute Altstadtviertel war als Rotlichtviertel bekannt. 1919 machte Haarmann die Bekanntschaft von Hans Grans, einem über 20 Jahre jüngeren Kleinkriminellen. Sie führten über mehrere Jahre eine sexuelle Beziehung. In der Nachkriegszeit mit ihrem knappen Warenangebot lebte Haarmann vom Handel mit Altkleidern und Fleischkonserven.

So sah es früher in der Calenberger Neustadt aus

Der Schauplatz:

Schauplatz der Mordserie war die hannoversche Altstadt in der Zeit der Weimarer Republik. In dieser Epoche wurde der preußisch-wilhelminische Ordnungsstaat durch die Nachkriegswirren des Jahres 1918 schwer erschüttert. Haarmanns Milieu und sozialer Mikrokosmos stellten der Hauptbahnhof Hannover und die Leineinsel Klein-Venedig dar.

Um 1900

Die öffentlich zugängliche Wartehalle des Hauptbahnhofs diente Obdachlosen, Arbeitslosen, elternlosen Kindern und „Ausreißern“ in großer Zahl als Zufluchtstätte.

Hauptbahnhof Hannover

Aufgrund der Nahrungsmittelknappheit fanden unter anderem zahlreiche illegale Tierschlachtungen von Hunden, Katzen und Ziegen statt. Haarmann machte sich die allgemeine Lage während der Inflationszeit und vor allem die verzweifelte Situation von Jugendlichen zunutze und bot ihnen gegen sexuelle Gefälligkeiten für eine oder mehrere Nächte Unterschlupf an.

Die Totenkammer, in der Haarmann seine umgebrachten Opfer bis zum nächsten Tag aufbewahrte (Juli 1924)

1918 entstand in den Gartenanlagen um das Café Kröpcke herum ein Markt der männlichen Prostitution, von denen etwa 500 in den polizeilichen Akten registriert waren. Haarmann bewohnte eine Wohnung in der Neuen Straße, die sich in der Calenberger Neustadt befand, in der es weitere Treffpunkte für Homosexuelle gab.

HANNOVER 1925, Georgstrasse mit Cafe Kröpcke, Pferdekutsch

Die Gassen der Altstadt auf der Leineinsel verkamen zu dieser Zeit mehr und mehr zu einem Verbrecherviertel der Unterschicht. In den einschlägigen Kneipen „Kreuzklappe“, „Kleeblatt“ oder „Deutscher Hermann“ entstand zwischen Prostituierten, Zuhältern, Dieben und Hehlern ein lebhafter Schwarzmarkt, und die Hemmschwelle, wegen Eigentumsdelikten Menschen zu töten, war gering.

Der Gasofen in der Wohnung Haarmanns, in dem er teilweise Leichenstücke verbrannte (Juli 1924)

In der Neuen Straße befand sich das Wohnhaus des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig, das später als Armenhaus diente. In der folgenden Epoche verkamen die dreihundertjährigen Häuser zu einem Gebiet der Unterschicht.

Wohnhaus des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig

Die Wohnungen lagen in holzkäfigartigen Verschlägen, die nur von dünnen Tapeten oder Bretterverschlägen voneinander abgetrennt waren. Haarmann wohnte seit dem 1. Juli 1921 in der Neuen Straße Nummer 8 als Untermieter der Frau Rehbock und gab an, dort außerdem ein Warenlager betreiben zu wollen.

Wohnhaus des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig

Das geschichtsträchtige Haus, das überwiegend von Arbeiterfamilien bewohnt wurde, lag zur Hinterseite hin direkt am Fluss Leine und besaß eine Durchfahrt zu einem dahinter liegenden, gemeinsamen Hof. Haarmanns Wohnung befand sich rechts vom Hauseingang an dieser Durchfahrt und die Klosetts in der rechten Ecke des Hofes. Die Leine war von Haarmanns Zimmer aus nicht erreichbar. Um die Knochen in dem Fluss zu entsorgen, musste er das Haus verlassen.

Haarmanns Zimmer diente während seiner Abwesenheit (er hatte den Raum untervermietet, während er seine Haftstrafe antreten musste) häufig als eine Art Herberge oder „Absteige“ von Kleinkriminellen und es soll dort wiederholt zu Trinkgelagen und Messerstechereien gekommen sein.

Dachwohnung des Massenmoerders Fritz Haarmann (aufgenommen 1924 von der hannoverschen Polizei)

1922 sperrte die Wirtin das Zimmer und verwies den Untermieter Hans Grans nach einer Streiterei des Hauses. Haarmann kehrte am 1. März 1922 aus dem Zuchthaus zurück und fand eine leere Wohnung vor. Seine beiden Kompagnons Grans und Wittkowski hatten nahezu seinen kompletten Hausstand ausgeräumt und weiterverkauft.

Fritz Haarmann nach 90 Jahren beigesetzt

Die Zustände in Haarmanns Wohnung werden nicht als düster, sondern als ausgesprochen gesellig und heiter beschrieben. In der besagten Butzenklappe (1,90 m breit und 1,25 m hoch) bewahrte der Serienmörder nicht nur für eine gewisse Zeit Leichen auf, sondern auch zahlreiche Nahrungsmittel wie Süßigkeiten, Käse und Wurst, um die Jungen, die er am Hauptbahnhof aufgegabelt hatte, gefügig zu machen.

Fritz Haarmann (zweiter von links) wird von Kriminalbeamten in Handschellen gehalten und gefilmt (Juli 1924)

Das Zimmer diente als Handels- und Tauschplatz für Hehlerware, Ort von Ess- und Trinkgelagen sowie für hetero- und homosexuellen Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern. Haarmann verdiente sich dort ein Zubrot, indem er Fleisch zu Wurst und Sülze verarbeitete.

In der Neuen Straße befand sich der Friseursalon Fridolin Wegehenkel. Der Besitzer war mit Haarmann und Grans befreundet, sie feierten zusammen Familienfeste und er war ebenfalls maßgeblich an den Verkäufen der Kleidung der ermordeten Jungen beteiligt. Haarmann, der von den Jungen „Onkel Fritze“ genannt wurde und bei den Erwachsenen „Kriminal Haarmann“ hieß, wurde in seinem Viertel als eine Art „besserer Herr“ und „Wohltäter für Obdachlose“ gehalten.

Früher Heute: Rote Reihe Haarmann

Es lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren, inwieweit seine Nachbarn von seinen Mordtaten profitierten oder indirekt sogar dabei mithalfen. Festzustellen bleibt jedoch, dass er meist in sehr beengten Wohnverhältnissen in alten, hellhörigen Häusern lebte, wodurch die Nachbarn zwangsläufig vieles wahrnahmen, andererseits hatte aber seine Umgebung in der allgemeinen Notlage der Inflationszeit ein vitales Interesse daran, „nicht allzu genau hinzusehen“, woher die Kleidungsstücke stammten die sie günstig von ihm kauften oder sogar geschenkt erhielten.

Früher Heute: Rote Reihe

Bei seinem Verhör gab Haarmann anfänglich an, die Mordtaten wären von einem gewissen „Schlachterkarl“ begangen worden. Von diesem unbekannten Mann hätte er außerdem Pferdefleisch zur Hälfte des schwarzmarktüblichen Preises erhalten.

Die Wohnung des Massenmörders Fritz Haarmann (Kreuz) in der Neue Str. 8 in Hannover. Hier lebte Haarmann von 1922 bis 1923.

In der Nachbarschaft der Neuen Straße gab es nur wenige, denen das Treiben von „Kriminal Haarmann“ ungewöhnlich vorkam. So wurden im Fenster der Wohnung öfter nackte Jungen gesehen. Auch gab es nachts häufig ungewöhnliche Hämmer-, Säge- und Klopfgeräusche. Es war bekannt, dass im Zimmer des Polizeispitzels ein Fleischwolf stand, mit dem Knochen gehackt und Fleisch verarbeitet wurden.

Zu dem kommenden Riesenprozeß gegen den Massenmörder Haarmann , welcher 27 Morde in Hannover vollbrachte. Der wichtigste Zeuge des Prozeß Theodor Hartmann rechts 23 Jahre alt, welcher Zimmernachbar des Haarmann war und dessen Aussagen ausschlaggebend sind.

Die Jungen, die Haarmanns Wohnung frequentierten, brachten häufig Geflügel, Kaninchen oder Hunde mit, die in der Wohnung geschlachtet wurden. Der Zigarrenhändler Christian Klobes, der einen Laden unweit von Haarmanns Wohnung betrieb, äußerte den Verdacht, dass zwar viele Jugendliche seine Wohnung betraten, aber nicht mehr herauskamen. Es ging das Gerücht um, Haarmann hätte die Jungen an die Fremdenlegion verkauft. Nachbarn beobachteten, wie Haarmann häufig mit Paketen und Säcken seine Wohnung verließ.

Zur Urteilsfällung im Haarmann – Prozeß ! Innenaufnahme des Gerichtssaales bei der Urteilsverkündung.

Die Mordtaten wären womöglich vorzeitig aufgedeckt worden, wenn Haarmann nicht am 9. Juni 1923 in eine etwa sieben Quadratmeter große Bodenkammer der Rote Reihe Nummer 4 verzogen wäre. Grans trennte sich in dieser Zeit von Haarmann und zog mit seinem Freund Wittkowski ebenfalls um.

Grabstätte der Opfer

Das 250 Jahre alte Wohnhaus in der Roten Reihe, in dessen Parterre (Erdgeschoss) eine Schankwirtschaft eingerichtet war, befand sich in der Nähe einer Synagoge und einer Bäckerei. Man nimmt an, dass in seiner Mansardenwohnung, deren Boden blutdurchtränkt war, mindestens 20 Morde begangen wurden. Mieter beobachteten, wie Haarmann ungewöhnlich oft mit einem zugedeckten Eimer das Klosett, das im Hof des Hauses lag, aufsuchte.

Haarmann-Fries von Alfred Hrdlicka im Sprengel-Museum

Die Ermittlungen:

Zwischen Mai und Juni 1924 fanden Kinder fünf menschliche Schädel in der Leine zwischen dem Leineschloss in Hannover und Garbsen. Nach gerichtsmedizinischen Untersuchungen stammten sie von jungen Männern und wurden vermutlich mit einem Messer vom Körper abgetrennt.

Leineschloss

Beim Fund des vierten Schädels am 13. Juni 1924 kamen die Ermittlungen in Richtung eines Serienmörders ins Rollen. Die Mordkommission der hannoverschen Kriminalpolizei schloss ein Raubmotiv aus und vermutete einen homosexuellen Täter.

Leineschloss um 1900

Der Polizei waren in der Stadt etwa 30 Männer bekannt, die dafür infrage kamen, darunter Haarmann. Ein Kriminalbeamter erinnerte sich, dass Haarmann bereits 1918 im Verdacht gestanden hatte, zwei junge Männer getötet zu haben. Die Ermittlungen verliefen damals ergebnislos. Dadurch geriet Haarmann im Juni 1924 erneut ins Fadenkreuz der Ermittler. Vom 17. Juni 1924 an wurde Haarmann rund um die Uhr polizeilich observiert. Die Überwachung blieb jedoch ohne konkretes Ergebnis.

Das Fallbeil

Am 22. Juni wurde Haarmann im Hauptbahnhof wegen Bedrohung eines Jugendlichen verhaftet. Zwischen beiden bestanden Beziehungen. Als die Polizei am 23. Juni seine Wohnung aufsuchte, fand sie Blutspuren und etliche, teilweise blutbefleckte Kleidungsstücke junger Männer. Daraufhin wurde Haarmann weiterhin in Haft gehalten. Er behauptete, das Blut stamme von eigenem Nasenbluten.

Die Mordkommission führte bei dem zunächst nicht geständigen Haarmann tagelang Vernehmungen durch. Am 29. Juni gestand er nach körperlichen Misshandlungen einige Tötungen, widerrief sie aber am folgenden Tag. Der Richter erließ trotzdem für eine weitere Woche Haftbefehl. Bei Vernehmungen am 1. Juli räumte er sieben Tötungen ein und bestätigte sie am 2. Juli vor dem Untersuchungsrichter.

Zu den ermittelnden Beamten gehörte unter anderem der Kriminalkommissar Heinrich Rätz, der Haarmann wochenlang vernahm. Rätz ließ „nach Teilgeständnissen des Mörders sogar noch nachts nach Leichenteilen suchen“. Am 5. Juli 1924 senkte das Verkehrsamt in Hannover mit einem Wehr den Wasserstand der Leine.

Fritz Haarmann | Stadtführungen

Im Flussbett wurden etwa 300 menschliche Knochenstücke geborgen, die mindestens 22 Personen zugeordnet werden konnten. Haarmann konnte sich nur an die Namen weniger Opfer erinnern. Um ihre Identität zu klären, stellte die Polizei Kleidungsstücke öffentlich aus, die bei Haarmann gefunden wurden oder die er verkauft hatte.

Aus dem gesamten Reichsgebiet kamen Angehörige vermisster Jugendlicher nach Hannover, um eventuelle Kleidungsstücke ihrer Kinder zu identifizieren. Auf diese Weise konnten einige Opfer identifiziert werden. Es stellte sich heraus, dass Hans Grans, mit dem Haarmann über mehrere Jahre eine sexuelle Beziehung führte, die komplette Garderobe eines Vermissten trug.

Fritz Haarmann

Tötungsweise und Entsorgung der Leichen:

Haarmann litt vermutlich unter seiner fatalen Neigung, dass er während des Geschlechtsaktes in einem unkontrollierten Rausch die Beherrschung verlieren konnte und sich dann am Adamsapfel seines Partners festbiss. Die Jugendlichen, die er am Café Kröpcke oder am Bahnhof kennenlernte und später mitnahm, waren teilweise körperlich geschwächt, so dass sie sich kaum wehren konnten.

Blick in den Hausflur, der zu der Wohnung des Massenmörders Fritz Haarmann führt.

Der Exitus trat durch Durchbeißen des Adamsapfels und durch gleichzeitiges Würgen und Drosseln ein. Anatomen stellten dies später in Versuchen nach und sagten aus, dass sich durch Biss und Druck auf die Nervenenden des Kehlkopfes durchaus eine Atem- und Herzlähmung einstellen könne.

Adamsapfel

Nach dem anstrengenden Akt der Tötung sei Haarmann häufig neben der Leiche zusammengebrochen und für eine Weile eingeschlafen. Dann habe er sich einen starken Kaffee gemacht und damit begonnen, die Leiche zu zerstückeln. Das Gesicht bedeckte er mit einem Tuch. Dann öffnete er nach eigenen Schilderungen während der Vernehmung die Bauchhöhle und holte die Eingeweide heraus.

Letztere tat er in einen Eimer und tunkte das sich in der Bauchhöhle ansammelnde Blut mit einem Tuch auf. Danach öffnete er mit mehreren Schnitten die Rippen des Brustkorbs und entfernte anschließend Herz, Lunge und Nieren. Außerdem trennte er mit einem Schlachterbeil Arme und Beine vom Torso ab.

Knochen von den Opfern

Ebenso wurde das Fleisch von den Knochen gelöst. Die Darmschlingen wurden in kleine Stücke zerteilt und durch das Klosett hinuntergespült. Mit einem Küchenmesser wurde die Kopfhaut skalpiert und in kleine Streifen und Würfel geschnitten. Der Schädelknochen wurde mit Lumpen abgedeckt, um die Klopfgeräusche abzuschwächen, die sich in der hellhörigen Wohnung beim Zertrümmern des Schädels einstellten. Der Rest des Körpers landete hauptsächlich in der Leine, in der Eilenriede oder an anderen Orten.

Eilenriede

Haarmann berichtete, dass sein Sexualtrieb stets stärker gewesen sei als der Ekel bei der Zerlegung und Beseitigung der Leiche. Mit seiner Aussage: „Hätte Grans mich geliebt, so hätte er mich auch retten können. Ach glauben Sie, ich bin gesund. Ich habe nur zuweilen meine Tour. Es ist kein Vergnügen, einen Menschen zu töten.

Ich will geköpft werden. Das ist ein Augenblick, dann habe ich Ruh.“ nahm er später Stellung zu dem Motiv, das ihn zu den Mordtaten getrieben hatte. Nach seinem Selbstverständnis war er unschuldig. Die „Pupenjungs“ hätten ihn dazu getrieben, ihn gegen seinen Willen sexuell erregt, dabei bei ihm diesen unkontrollierbaren Rausch mit allen Folgen ausgelöst und damit ihr Schicksal selbst besiegelt.

Der Prozess:

Der Gerichtsprozess dauerte vom 4. bis 19. Dezember 1924, verhandelt wurde dicht hintereinander an 14 Tagen. Haarmann wurde wegen Mordes an 27 Menschen in den Jahren 1918 bis 1924 angeklagt. Davon gab er neun Taten zu, weitere zwölf Tötungen hielt er für möglich.

Sechs Taten bestritt er, von denen ihm aber fünf nachgewiesen werden konnten. Die Zahl der vermissten Jungen, die mit Haarmann in Verbindung gebracht werden konnten, belief sich auf 27, alle im Alter zwischen zehn und 22 Jahren. In der Öffentlichkeit wurde spekuliert, dass die Zahl seiner Opfer in Wirklichkeit noch viel höher gewesen sein könnte; durch die wirtschaftlich und politisch chaotischen Zeitumstände hatten viele Jugendliche den gesellschaftlichen Halt verloren, strandeten im Bahnhofsmilieu und wurden (oft erst mit größerer Verspätung) von ihren Angehörigen als vermisst gemeldet.

Der psychiatrische Gutachter Ernst Schultze erklärte Haarmann nach sechswöchiger Untersuchungszeit in Göttingen für voll zurechnungsfähig und lehnte eine Schuldunfähigkeit ab. Nach eigenen Angaben hatte Haarmann seine Opfer (die er „Pupenjungs“ nannte, eine damals gängige Bezeichnung für männliche Prostituierte) durch einen Biss in den Hals getötet und sie anschließend zerstückelt.

Die Angehörigen der Opfer traten im Prozess teilweise sehr emotional auf und warfen der Polizei Versagen und Mitschuld am Tod von weiteren Opfern vor. Der Journalist Theodor Lessing machte in seiner kritischen Berichterstattung die dubiose Rolle der hannoverschen Polizei öffentlich und wurde daraufhin vom Prozess ausgeschlossen. Für Aufregung in der Öffentlichkeit sorgten auch Details der Tötungen, die bei den Verhandlungen bekannt wurden. Haarmann hatte die Leichen zerstückelt und in die Leine geworfen.

Zu dem großen Prozess den siebenundzwanzigfachen Mörder Haarmann in Hannover, wozu hundertundneunzig Zeugen geladen sind. Die Mansardenstube, die Wohnung Haarmanns in welcher er seine Opfer umbrachte.

Da Haarmann mit Fleischkonserven handelte, wurde spekuliert, dass er die Leichen zu Wurst verarbeitet hätte. Haarmann bestritt dies stets, konnte aber auch keine nachprüfbare Quelle für das von ihm verkaufte Fleisch angeben. Ein gewisser Schlachterkarl, den er als Fleischlieferanten benannte, konnte nie ermittelt werden. Bekannt ist aber, dass seine Nachbarin ein Restaurant besaß und von ihm Fleisch kaufte, auch handelte Haarmann mit so ziemlich allem, was an Kleidung und persönlichen Gegenständen von seinen Opfern geblieben war.

Hinrichtung, Verbleib und Bestattung des Kopfes:

Nachdem Haarmann am 19. Dezember 1924 zum Tod verurteilt worden war, nahm am frühen Morgen des 15. April 1925 der Magdeburger Scharfrichter Carl Gröpler die Hinrichtung vor. Sie erfolgte von der Öffentlichkeit unbemerkt im Hof des Gerichtsgefängnisses in Hannover durch Enthaupten mit dem Fallbeil.

Scharfrichter Carl Gröpler

Die Henkersmahlzeit schmeckte Haarmann so gut, dass er sich ein weiteres Mal bedienen ließ. Sein Kopf wurde vom Ministerialrat im Preußischen Justizministerium Hartung dem Kraepelinschen Hirnforschungsinstitut in München zur Verfügung gestellt.

Emil Kraepelin, zwischen 1886 und 1891

Im Nachhinein wurde am Gehirn festgestellt, dass Haarmann früher eine Hirnhautentzündung durchgemacht haben musste, was zu Hirn- und Wesensveränderungen führen kann. Vier Hirnschnitte daraus befinden sich in München. Sie waren zwischenzeitlich von dort verschwunden und wurden 2016 wiederentdeckt.

Der Kopf wurde im Institut für Rechtsmedizin der medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen als Präparat aufbewahrt, wo es Überlegungen gab, ihn Teil einer öffentlichen Ausstellung der Rechtsmedizin Göttingen werden zu lassen. Der Plan wurde 2014 verworfen, da die Rechtsmedizin der eigenen Linie treu bleiben wollte, keine voyeuristischen Ambitionen zu unterstützen. Der Kopf wurde daraufhin eingeäschert und im März 2014 anonym bestattet.

Georg-August-Universität Göttingen

Opfer:

In der Anklageschrift wurde Fritz Haarmann zur Last gelegt, in der Zeit von 1918 bis 1924 folgende Personen vorsätzlich und mit Überlegung getötet zu haben:

  • September 1918: Friedel Rothe (Schüler)
  • Februar 1923: Fritz Franke (Lehrling)
  • März 1923: Wilhelm Schulze (Lehrling)
  • Mai 1923: Roland Huch (Schüler)
  • Mai 1923: Hans Sonnenfeld (Arbeiter)
  • Juni 1923: Ernst Ehrenberg (Schüler)
  • August 1923: Heinrich Struß (Bürogehilfe)
  • September 1923: Paul Bronischewski (Lehrling)
  • Oktober 1923: Richard Gräf (Arbeiter)
  • Oktober 1923: Wilhelm Erdner (Lehrling)
  • Oktober 1923: Hermann Wolf (Arbeiter)
  • Oktober 1923: Heinz Brinkmann (Schüler)
  • November 1923: Adolf Hannappel (Zimmermann)
  • Dezember 1923: Adolf Hennies (Arbeiter)
  • Januar 1924: Ernst Spicker (Schlosser)
  • Januar 1924: Heinrich Koch (Arbeiter)
  • Februar 1924: Willi Senger (Arbeiter)
  • Februar 1924: Hermann Speichert (Lehrling)
  • April 1924: Alfred Hogrefe (Lehrling)
  • April 1924: Hermann Bock (Arbeiter)
  • April 1924: Wilhelm Apel (Lehrling)
  • April 1924: Robert Witzel (Lehrling)
  • Mai 1924: Heinz Martin (Lehrling)
  • Mai 1924: Fritz Wittig (Reisender)
  • Mai 1924: Friedrich Abeling (Schüler)
  • Juni 1924: Friedrich Koch (Lehrling)
  • Juni 1924: Erich de Vries (Bäckergeselle)

Viele seiner Opfer waren gewissermaßen in Hannover gestrandet und führten ein prekäres Leben ohne engen Kontakt zu ihren Angehörigen; die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg trugen dazu bei, dass Verschwundene nicht vermisst oder zumindest nicht aktiv gesucht wurden.

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